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Hund mit Sonnenbrille

Ich gebe zu: Auch ich hätte vor zehn Jahren nicht damit gerechnet, dass ich mal ein Experte für Hundesonnenbrillen werde. Für mich waren Sonnenbrillen bestenfalls eine Erinnerung an Top Gun und etwas, was man alle drei Urlaube irgendwo liegen lässt. Von einem Hund mit Sonnenbrille hatte ich nie gehört.

Aber mit MEINEM BESTEN FREUND Grinch hat sich eben alles verändert.

Wie alles begann: Diagnose Schäferhundkeratitis

Ich habe mit Grinch die Ausbildung zum Lawinenhund abgeschlossen, als er gerade mal 3 Jahre alt war. Dabei fiel auf, dass sich auf seinen Augen eine Art graue Trübung breitmachte. Die schien ihn nicht groß zu stören und auch sein Sehvermögen erstmal nicht zu beeinträchtigen.

Aber wie ordentliche Hundepapas so sind, wurde mir etwas mulmig. Zuerst dachte ich an grauen Star und raste durch zum Tierarzt.

Der konnte mir zwar die Angst vor dem Grauen Star nehmen, hatte aber einen nicht minder schweren Hammer für mich: Schäferhundkeratitis. Nicht heilbar. Lebenslang Medikamente nehmen. Da musste ich schon ziemlich schlucken.

Sonnenbrille ist immer oben
Sonnenbrille ist immer oben

Lernen, die Hundesonnenbrille zu akzeptieren

Schäferhundkeratitis ist eine Hornhautentzündung, die unbehandelt den Hund erblinden lässt. Durch intensives UV-Licht verschlechtert sich die Krankheit – und was gibt es bei Schnee in Hülle und Fülle? Natürlich Sonnenlichtspiegelung. Na danke. Für ein Leben auf der Ravensburger Hütte gehört Sonne aber zwangsläufig dazu.

Und dann erzählte mir mein Tierarzt zum ersten Mal von Hundesonnenbrillen. Ich habe vermutlich geguckt wie ein Schaf, aber: wenn es hilft, sollten wir es probieren. Besser ein Hund mit Sonnenbrille als ein Hund ohne Augenlicht.

Also Sonnenbrillen gekauft und ran an den Hund. Denn mit „mal eben“ hat das nichts zu tun. Grinch und ich haben insgesamt ein halbes Jahr gebraucht, bis die Brille im wahrsten Sinne des Wortes saß.

Hundesonnenbrillen ähneln ein wenig Taucherbrillen, da sie den Bereich um die Augen abschließen – schließlich soll ja kein Licht durch. Und an das Gefühl, dass etwas im Gesicht ist, musst du deinen Hund langsam gewöhnen.

Automatisch wird er versuchen, mit den Pfoten das störende Etwas loszuwerden. Deswegen haben Grinch und ich mit Sekunden angefangen, sodass er merkte, dass ihm die Brille nichts tat und ich sie ihm immer wieder abnehme.

Das haben wir dann ausgeweitet, bis er gar kein Problem mehr mit dem Tragegefühl hatte. Allerdings hatten wir dabei einen ordentlichen Verschleiß – Am Anfang habe ich die Sonnenbrillen im 10er-Pack gekauft, weil sie durch das ständige Auf- und Abziehen kaputt gingen.

Der Alltag mit Schäferhundkeratitis und Hundesonnenbrille

Für Grinch und mich ist die Hundesonnenbrille inzwischen so alltäglich wie die Leine und das Leckerli zum Liebhaben. Ich bin einfach froh, dass wir die Schäferhundkeratitis früh genug erkannt haben und mit der Sonnenbrille ein einfaches Hilfsmittel an der Hand haben, dass es sich nicht verschlimmert.

Wenn da nur nicht der Rest der Welt wäre. Die Flut von Social-Media-Posts mit Hunden, die Menschensonnenbrillen tragen, hat da auch nicht geholfen.

Ich kann nicht mehr zählen, wie oft ich auf meinen „coolen Hund“ angesprochen wurde oder auch sogar als Tierquäler beschimpft wurde, auch wenn ich erkläre, dass die Hundesonnenbrille für Grinch medizinisch notwendig ist. Es nervt uns nur noch.

Wir lieben das gemeinsame Reisen – aber inzwischen meiden wir alle Plätze, an denen sich Touristen normalerweise aufhalten. Am liebsten beim Vanliving auf den Kanaren.

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